Anklage im Verfahren 3 Js 720/16 erhoben!

Die Staatsanwaltschaft Krefeld hat im Verfahren 3 Js 720/16, das gegen den 61 jährigen Beschuldigten Klaus R. seit Juli 2016 im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Heilpraktiker in Brüggen anhängig ist, Anklage zum Landgericht Krefeld wegen der Vorwürfe des fahrlässigen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in vier Fällen in Tateinheit mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung in drei Fällen erhoben.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten zur Last, am 27.07.2016 in seiner Praxis in Brüggen aufgrund eines situativen Versagens für vier Patienten unter gröblicher Außerachtlassung der gebotenen und ihm zumutbaren Sorgfalt erheblich überdosierte Infusionslösungen mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat hergestellt zu haben. Die infolgedessen in ihrer Qualität erheblich geminderten Arzneimittel verabreichte er sodann intravenös den vier Patienten, woraufhin drei von ihnen in der Folgezeit verstarben.  

Nach dem Ergebnis der aufwendigen und in enger Kooperation mit den niederländischen Strafverfolgungsbehörden und verschiedenen rechtsmedizinischen in- und ausländischen Instituten geführten Ermittlungen nutzte der Beschuldigte zur Zubereitung der Infusionslösungen eine für diesen Zweck ungeeignete Waage. Darüber hinaus hatte er keinerlei Kontrollmechanismen vorgesehen oder geschaffen, um die von ihm eingewogene, auf das Körpergewicht und die Konstitution des Patienten individuell abgestimmte Dosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat zu überprüfen. Hierzu wäre er indes aufgrund des Umstandes, dass es sich jeweils um eine individuelle Dosierung und um eine Substanz handelte, welche auch nach den ihm bekannten Erkenntnissen sorgfältig dosiert werden musste, bei Beachtung der gebotenen Sorgfalt verpflichtet gewesen.

Infolge dieser Fehler kam es bei der Herstellung der Infusionslösungen für die vier geschädigten Patienten zu einer erheblichen Überdosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat um das 3,11- bis 6,15-fache der jeweils patientenindividuell geplanten Dosis, wodurch der Tod der drei verstorbenen Patienten verursacht wurde.

Die Herstellung und die Verabreichung des noch nicht weitergehend oder gar abschließend erforschten Wirkstoffs 3-BP waren dem Beschuldigten im Rahmen seiner Tätigkeit als Heilpraktiker nicht grundsätzlich verboten. Auch ist nach den durchgeführten aufwendigen rechtsmedizinischen Untersuchungen und den dabei herangezogenen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu der Wirkung von 3-Bromopyruvat davon auszugehen, dass grundsätzlich die Möglichkeit einer Wirksamkeit dieser Substanz gegen Krebserkrankungen jedenfalls nicht ausgeschlossen werden kann. Allerdings ist bei ihrer Verabreichung eine besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits eine geringe Überdosierung zu erheblichen und potentiell letalen Nebenwirkungen führen kann. Nach den hiesigen medizinischen Feststellungen durchbricht die Substanz bei Dosierungen über dem 4,5-fachen der therapeutischen möglicherweise wirksamen Menge die Blut-Hirn-Schranke und wirkt unmittelbar im menschlichen Gehirn. 3-Bromopyruvat greift dabei den Zellstoffwechsel und die Zellatmung an, wodurch Gehirnzellen absterben. Diese Wirkungsmechanismen und die sich daraus ergebenden organischen Folgen sind auch rechtsmedizinisch nachweisbar todesursächlich bei den drei verstorbenen Patienten gewesen.

Obgleich der Beschuldigte die ungeeignete Waage bereits seit April 2016 verwendet hatte, haben die Ermittlungen keine Hinweise auf vergleichbare Fälle im gesundheitlichen Verlauf bei anderen Patienten des Beschuldigten ergeben, die im Zeitraum zwischen April 2016 bis zum 26.07.2016 durch ihn mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat behandelt worden sind. Daher besteht kein Anlass zur der Annahme, dass weitere Patienten des Beschuldigten durch eine Überdosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat gesundheitlichen Schaden genommen haben könnten.

Dieser Abschluss der aufwendigen Ermittlungen schafft nicht nur für die Angehörigen der verstorbenen Patienten Klarheit, was ihren Angehörigen tatsächlich widerfahren ist, sondern beendet darüber hinaus auch die Verunsicherung, die sich aus den zu Beginn der Ermittlungen erhobenen Spekulationen für die zahlreichen anderen ehemaligen Patienten des Beschuldigten ergeben hat.